Nestplattform für Weißstörche

Der Weißstorch ist ein wohl jedem bekannter Vogel, welcher im Volksglauben unter dem Namen "Adebar" die Kinder bringt. Leider haben ihn jedoch die meisten Menschen in freier Wildbahn noch nie gesehen. Dabei ist dieser einheimische Schreitvogel, mit seinem charakteristischen weiß-schwarzen Federkleid und seinem unverwechselbaren "Klappern" alles andere als ein Tarnungskünstler. Den Winter verbringt dieser Zugvogel in Afrika und Südeuropa, da er durch seine Ernährungsweise in unserer Region zu dieser Zeit Hunger erleiden würde. Seine Flügel, mit einer Spannweite von zwei Metern, tragen ihn im Segelflug über die westliche oder östliche Zugroute alljährlich im Frühling wieder in seine hiesigen Brutgebiete. Dass er hier auch erfolgreich zur Brut schreiten kann, gelingt häufig erst durch Renaturierung geeigneter Brutgebiete und der Bereitstellung künstlicher Nisthilfen. Dank dieser Bemühungen zeigt der Weißstorch in den letzten 30 Jahren eine Wiederbesiedlung von Gebieten, in denen sein Brutbestand viele Jahrzehnte erloschen war.
Im Februar 2015 haben die Mitglieder des Vereines unter Anleitung von Herrn Dr. Lakmann, Geschäftsführung der Naturschutz-Stiftung Senne, sowie mit freundlicher Unterstützung durch das Hotel-Gasthaus Appel-Krug aus Delbrück eine Nestplattform für Weißstörche angefertigt. Der mit Weiden und Reisig umpflochtene Nestkorb hat einem Durchmesser von 1,4m und wird von einem 9,6m hohen Mast getragen. Die Familie Kröning aus Delbrück-Anreppen ermöglicht uns auf ihrem Hof am Rande des Naturschutzgebietes Gunnewiesen einen idealen Standort für diese Storchennisthilfe. Die umliegenden Feuchtwiesen bieten den Weißstörchen ein reichhaltiges Nahrungsangebot an Insekten, Regenwürmern und kleinen Amphibien, die sie zur Aufzucht der Jungstörche benötigen. In vielen Regionen intensiv genutzter Landschaft ist dies oft nicht mehr gegeben. Zudem bieten die weiten Feuchtwiesen Adebar die nötige Ruhe, seinen Nachwuchs erfolgreich aufzuziehen. Bereits in den Vorjahren konnten, nach der Maat der Feuchtwiesen im Spätsommer, immer wieder größere Ansammlungen von Jung- wie auch Altstörchen im Naturschutzgebiet Gunnewiesen beobachtet werden, bevor sie sich auf ihre Reise ins Winterquartier machten. Daher entschloss sich der Vogelzucht- und Vogelschutzverein 1980 Delbrück e.V., durch das Aufstellen der künstlichen Nisthilfe dem Weißstorch nun auch die Möglichkeit zu bieten erfolgreich zur Brut zu schreiten. Die Unterstützung dieser einheimischen Schreitvögel erweitert die Palette der Bemühungen unseres Vereines im regionalen Vogelschutz, zu der auch Nisthilfen für höhlenbrütende Singvögel, Eulen und Turmfalken gehören.
 

Bruterfolg im Jahr 2017

Nachdem ein Bruterfolg im vergangen Jahr ausblieb, können aktuell 3 Jungstörche für das Jahr 2017 verzeichnet werden. Zwei der drei Jungtiere wurden bereits am 3. Juni 2017 im Alter von schätzungsweise vier Wochen beringt. Der dritte Jungstorch war noch zu klein für eine Beringung. Es ist festzustellen, dass es sich bei dem diesjährigen Brutpaar nicht um das gleiche Paar handelt, welches bereits vor zwei Jahren erfolgreich in diesem Horst seine Jungen aufgezogen hatte. Anders als beim ersten Paar sind beide Altstörche der aktuellen Brut unberingt.


Erster Bruterfolg im Jahr 2015

Nur zwei Tage nach der Fertigstellung der Nistplattform Ende Februar konnte bereits der erste Storch am Horst gesichtet werden. Genauere Beobachtungen ließen darauf schließen, dass es sich hierbei um ein Männchen handeln musste, dass zudem beringt ist. Wenige Tage nach dem Männchen gesellte sich schließlich ein Weibchen hinzu. In den kommenden Wochen waren die beiden Störche damit beschäftigt, von den angrenzenden Grünflächen Nistmaterial zusammenzutragen und konnten dabei beobachtet werden, wie sie gemeinsam nach Futter suchten.
Erste Paarungsversuche fanden schließlich Anfang April statt. Da das Weibchen von nun an kaum noch das Nest verließ, durften wir darauf hoffen, dass ein erstes Gelege bebrütet wurde. Etwa vier Wochen später, in der letzten Mai-Woche, zeigten die Elterntiere deutliche Fütterungssignale. Am 4. Juni konnte dann, zu unserer großen Freude, deutlich ein Junges im Nest gesichtet werden. Ab diesem Zeitpunkt war außerdem festzustellen, dass sich ein Altvogel ständig am Horst aufhielt, während der andere nach Nahrung suchte.
Für den 13. Juni war eine Beringung der Jungstörche durch die Naturschutz-Stiftung Senne geplant. Es war nun sicher, dass sich 2 junge Störche im Nest befanden, diese aber noch zu klein zum beringen waren.
Die beiden Jungstörche haben sich bis August prächtig entwickelt und werden weiterhin von den Altvögeln versorgt. Sie verlassen tagsüber gelegentlich den Horst, für kurze Flugversuche, oder um mit den Altvögeln nach Futter zu suchen. Spätestens am Abend kehren sie aber zum Schlafen zu ihrem Nest zurück.